Unendliche Medienwelten…am Anfang war…

Alles im Universum strebt überraschend schnell auseinander. Und niemand weiß, warum. Genauso wie unser Medienkosmos.
Wir planten ein Gruppenprojekt mit Schülern (Alter 15-18 Jahre)
der Willy-Brandt-Gesamtschule München.
Leider waren wir durch die diesjährige Corona-Pandemie gezwungen zu einer anderen Schule zu wechseln. Glücklicherweise konnte sich die Mittelschule an der Wittelsbacherstraße eine Kooperation mit uns vorstellen.
Das Thema behandelte folgendes: Wir untersuchten die Entwicklung unseres Medienkosmos von Anfang bis in die ferne Zukunft. Die Teilnehmer*Innen stellten die Entstehung des MEDIENUNIVERSUMS von den ersten Schritten bis zu einer selbstkreierten Zukunftsvision dar.


Wir erlebten den Beginn unseres MEDIENUNIVERSUMS und wir sahen zu wie Strukturen, Vernetzungen und Inhalte entstanden. Das MEDIENWELTALL ist sehr dynamisch. Profile, Posts, Accounts leben und sterben. Galaxieplattformen werden geboren, kollidieren mit anderen und verschmelzen zu neuen Medienformen. Ein ständiges Werden und Vergehen. Das inspirierte unserer Teilnehmer zu Zeichnungen und und kleinen Geschichten.


Uns war es wichtig, dass die Schüler ihrer Fantasie freien Lauf lassen können, mit Hilfe ihrer gewählten digitalen Mittel. Auch der theatralische Ansatz war und ist uns immer ein Bedürfnis. Trotz Corona, konnten wir mit wenigen Teilnehmern vor der GreenScreen, Schauspielerische Szenen gestalten.

Interessant für die Schüler war auch die Entwicklung der digitalen Medien. Vielen Schülern*Innen waren die Anfänge der digitalen Medien völlig unbekannt. Ein Handy heutzutage beinhalte sehr viele Geräte: eine Schreibmaschine, ein Tonbandgerät, ein Fotoapparat, ein Schnurtelefon, ein Videoaufnahmegerät, ein Rekorder u.v.m. Diese Betrachtung war für die Schüler*Innen äußerst faszinierend und zeigt auf, in welcher rasanten Geschwindigkeit sich alles verändert.

Ziel des Workshops war eine theatralische Aufführung: IM RAUMSCHIFF DURCH DIE GLAXIEN DES MEDIENKOSMOS.


Leider war eine theatralische Live-Performance dieses Jahr nicht möglich, aus bekannten Gründen. So mussten wir auf eine Zoompräsentation zurückgereifen, wo wir uns erst in kleineren Gruppen trafen und dann die Ergebnisse online präsentierten.
Unser Weg dahin führte über Recherche, Improvisation, Texterarbeitung, Dialog, Gruppenarbeit, filmische Umsetzung und Zukunftsvisionen.
Für die Schüler war es ungewohnt, sich kreativ in Online Gruppen zu zeigen. Auch die Konzentration konnte nicht immer gehalten werden. Die ersten Termine fanden noch live statt. Der Übergang in den Online-Workshop war nicht so einfach. Aufgefallen ist uns, dass die Mädchen länger die Konzentration halten konnten, als die Jungs.
Interessant zu sehen war, dass wir durch die Corona-Situation schon in der Zukunft, die wir kreiieren wollten, angekommen waren.

Die anfängliche Scheu, Geschichten zu schreiben, legte sich schnell und wurde dann als dankbare Abwechslung zum bisherigen Corona-Schulalltag begriffen. Ein besonderes Highlight waren die Termine vor der GreenScreen, die wir zweimal in verschieden Schulräumen gestattet bekamen. Die Schüler hatten besonderen Spaß am Verkleiden und Spielen der selbstgeschriebenen Szenen. Die kleinen Gruppen arbeiteten dennoch sehr produktiv und vergruben sich oft in kleine Details, wo man das große Ganze ein bisschen vergaß. Aber der Spaß an der Entwicklung der eigenen Story war unübersehbar. Ganz klar, dass die Präsenztermine, die Kreativsten und Schönsten waren. Um einen möglichst guten Online-Benefit zu erhalten, braucht es doch immer wieder, den persönlichen Kontakt und ein reales Treffen, auch wenn es nur kurz ist. Die Kombination von digitalem und realem Kontakt war durchaus wichtig und unentbehrlich. Für die Schüler war es ein hartes Jahr und unser kleiner Beitrag äußert wichtig. Hier konnten sie abschalten und durften endlich wieder jung sein.

Geschichten über die Entstehungsgeschichte der Medien.

Der Zeiten Flieger
Geschichte von Said Ben Larbi, Bernd Schäfer, Mechthild Erpenbeck.

Said saß vor seinen Hausaufgaben? Was sollte das nun schon wieder für eine bekloppte Frage sein?
Er schaute auf sein Handy , Bernd nervte mit seinen Anfragen auf ein illegales Treffen, während des Lockdowns.
Said war es leid, den ganzen Tag zu Hause zu bleiben und sich heimlich mit seinen Freunden zu treffen. Seine Mutter musste Homeoffice machen und seine beiden Geschwister fingen an ihn zu nerven. Das Handy nervte ihn genauso, wie die Spielkonsole. Er antwortete Bernd, „Fuck off, lass mich in Ruhe“
Vor lauter Frust, ging er auf den Dachboden. Dort entdeckte er eine kleine Scheibe? Eine Scheibe? Kein Frizzbee , sondern etwas, wo man drauf stehen sollte, da waren Füße abgezeichnet…was soll das. Darauf stand – Zeitreise-Scheibe. Was sollte das jetzt schon wieder bedeuten?
Sein Großvater, der schon lange gestorben war, hatte hier oben seine Sachen gelagert. Bis jetzt hatte sie noch niemand entsorgt.
Said wickelte die Scheibe, die in einem Tuch war, aus und stellte sich darauf.
Ihm wurde schwindelig nein- er flog, er flog durch die Luft, durch eine Art Röhre.
Als die Scheibe stehen blieb, schaute er sich um. Vor ihm, ja er traute seinen Augen nicht – die Akropolis  – und nein er ging noch weiter zurück… er landete in eine Höhle. An den Wänden seltsame Zeichen – Tiere –  ein Jäger und Pfeil und Bogen. Okay, ganz klar, da hatte jemand mit einer Wandzeichnung kommuniziert…Said lachte. Genauso machten sie das manchmal im Schulklo. Einfach mit Edding etwas an die Klotür schreiben und manchmal antwortete sogar der, für den es geschrieben war.
Said stellte sich wieder auf die Scheibe. Diesmal wurde ihm nicht so schwindelig und er konnte etwas erkennen, Menschen, die von einer gebückten Haltung in eine gerade übergingen. Auf einem Berg sah er Rauchzeichen…
Hey, auch das war Kommunikation…seinem Gehirn musste es nicht gut gehen, denn es schien, als würde die Scheibe mit ihm zusammen die Onlinehausaufgaben lösen.
Er stoppte. Krieg, er hörte Schüsse. Er merkte jetzt, dass er sich eigentlich gar nicht vom Fleck bewegte, sondern einfach nur durch die Zeit reiste. Der Ort veränderte sich allein durch die Zeit.
Überall war Luftalarm zu hören. Ein Soldat kam zu ihm rein…er hatte eine Art Handy dabei. Ein riesiges Teil…Entschuldige, in welchem Jahr bin ich…der Fremde schaute ihn an und schüttelte den Kopf. Willst du mich verarschen? Wir haben 1943…Said stellte sich schnell wieder auf die Scheibe…jetzt landete er – Hä- was war das? Im Weltall…konnte das sein…. Er war in der Zukunft. Überall um ihn Menschen und junge Leute. Sie kommunizierten auf verrückte Art und Weise… ihr Handy war eine Art Austauschgerät, das sich vor ihnen in der Luft zeigte. Ein Hologramm, wo eine Person mit ihnen sprach und dann wieder verschwand…er hatte genug gesehen…
Zu Hause in seinem Zimmer konnte er es gar nicht abwarten mit den Schulaufgaben zu beginnen.
Er begann zu schreiben:
Die Geschichte der Medien…sie ist unendlich. Schon immer haben Menschen miteinander Wege gefunden, sich auszutauschen. Erst durch Rufe und Laute, durch Höhlenmalereien, andere durch Rauchzeichen. Ein weiterer Fortschritt war die Schrift. Eigentlich ein enormer Fortschritt, hier konnten zum ersten Mal über einen längeren Zeitraum etwas mitgeteilt werden. Über Postbooten zu Pferd, oder auf der See. Durch die grausamen Weltkriege entwickelten sich Morsezeichen und Navigationsgeräte in Perfektion!
Der Durchbruch allerdings entstand durch die Erfindung des Internet. Das Internet spiegelt in gewisser Weise den Weltraum wieder, mit seinen Abhängigkeiten und Verknüpfungen. Man könnte es auch mit dem Gehirn vergleichen, das auf wundersame Weise immer wieder neue Verbindungen aufbaut und alte sterben lässt. Wir sind auf keinen Fall am Ende der Entwicklung angelangt, sondern befinden uns bestimmt noch am Anfang…Hier fängt die eigentliche Geschichte der unendlichen Medienwelten eigentlich erst an…
Als Said beim nächsten Zoomcall mit seiner Klasse und der Lehrerin zusammentraf, applaudierten ihm alle, für sein wunderbare Geschichte…wenn die wüssten….es war gar keine Geschichte, es hatte sich genauso zu getragen.

Für die Präsentation haben wir kurze Sequenzen der Zeitreise gedreht.
Regie: Melanie Schäfer
Kameraassistenz: Britta Jötten
Schnitt Analea Porpaczy

https://www.kooperationsprojekte-muc.de/wp-content/uploads/2020/12/Der-ZeitenFlieger.pdf