Mobiles FabLab bringt kreative Medienwelten in die Grundschule

Mobiles FabLab bringt kreative Medienwelten in die Grundschule

Unsere Idee

Unsere Idee zum Projekt CREATE war es möglichst viele Grundschulen im Raum München inkl. LehrerInnen und SchülerInnen zu erreichen. Mittels einer mobilen FabLab Einheit, ausgestattet mit einem Klassensatz BlueBot, kistenweise Maistip, Schwämmchen, Papieren, Stiften, Scheren, Meterstab, Tesakrepp, jede Menge 3D gedrucktem Anschauungsmaterial ausreichend Ipads und einem 3D Drucker, wollten wir die Möglichkeiten der neuen Technologien und die vielen Vorteile für den Unterricht direkt vor Ort aufzeigen. Wir haben das letzte Schuljahr bereits sehr gute Erfahrungen mit unserem Stadtplanbauprojekt mit Grundschulen gesammelt, die zu uns in die Werkstatt gekommen sind und wollten dieses Projekt nun vor Ort in den Schulen umsetzen, da es auch in vielen Details gut zum Lehrplan passt und viele Fächer in einem Projekt kombiniert (Mathe, Kunst, Heimat und Sachunterricht, Werken). Zur Umsetzung suchten wir Schulen aus, die sowohl noch keinerlei Ausstattung in Richtung Programmierung, Roboter, Ipads etc haben und/oder in einem sozialen Brennpunkt liegen.

Die teilnehmenden Grundschulen

Im September schrieben wir viele Grundschulen an und schenkten ihnen einen Tag Fablab für eine Klasse an der Schule, die Rückmeldungen hielten sich sehr in Grenzen. Um unsere kostenlosen Vormittage an die Kinder zu bekommen, versuchte ich es im nächsten Schritt über viele persönliche Kontakte zu LehrerInnen, die auf viele Schulen im Stadtgebiet verteilt unterrichten und schon hatte ich fast alle Vormittage verplant, manchmal 2 Vormittag an der gleichen Schule. Eine Kollegin aus dem FabLab fragte die Lehrkraft des eigenen Kindes, plus die Parallelklasse. Manche Klassen fanden die Idee super, wollten aber lieber einen Ausflug zu uns machen, so dass wir auch das ermöglichten. Eine Schule wollte das Projekt mit mehreren Klassen im Schullandheim umsetzen, was auch ermöglicht wurde. (GS Astrid Lindgren Str. / GS Gebele Str. / GS Pfanzeltplatz / GS Ernst Reuter Str. / GS Lehrer Wirth Str. / GS Weissensee Str. / GS Förderzentrum Irschenberg / GS Puchheim Süd / GS Bergmann Str. / GS Lehrer Götz Weg / GS Hohenbrunn, Riemerling / GS Gilm Str. / GS Gänseliesel Str. / Schullandheim Krainsberger Hof)

Der Ablauf eines Vormittags

Nachdem alles an Material, Robotern, Druckern, Ipads etc in das Klassenzimmer verfrachtet war, begannen wir das Projekt im Sitzkreis mit einer kleinen Ausstellung von Dingen, die im FabLab produziert wurden, damit die Kinder eine Vorstellung von unserer Maker Werkstatt bekommen konnten. Von 3D gedruckten Kugelbahnen, Litophanen Mona Lisas, optischen Täuschungen und Minecraft Städten, über gelaserten Zahnradkonstruktionen bis hin zu unseren Lötprojekten Piepsding und Winkding waren immer viele spannende Sachen dabei und die SchülerInnen hatten immer viele Fragen zu den Maschinen und wie man solche Dinge entwirft und wie lange z.B. ein 3D Druck dauert. Ab und an war ein/e SchülerIn dabei die zumindest jemanden kennt der auch einen 3D Drucker hat und konnte dann ebenfalls den anderen dazu etwas erklären.

Nach der ersten Aufregung mit sovielen Möglichkeiten ging es dann weiter mit der Frage wer schon einmal etwas programmiert hat und was man darunter eigentlich versteht. Der ein oder andere Schüler hatte da schon eine Idee dazu, aber so wirklich programmiert hatte noch niemand, so dass alle mehr oder weniger bei 0 anfangen konnten.

Wir stellten nun Bluebot unseren kleinen Roboter vor und erklärten wie man ihn programmiert, wieviele Befehle er sich merken kann und wie man ihn auch wieder stoppen oder löschen kann. Bluebot hat auch so seine Eigenheiten, so muss man z.B. abmessen wie viele Zentimeter er bei einmal vorwärtsfahren zurücklegt, um später den Plan so zu zeichnen, dass Bluebot auch die Straßenzüge entlangfahren kann. Zu beachten ist außerdem dass Bluebot nur 90 Grad Winkel fährt. Eigentlich ganz einfach, dachte sich da noch der ein oder andere Schüler!

ABER: Jetzt begann die eigentliche Herausforderung, die Schüler sollten nun in Gruppen von 3 bis 5 Kindern auf einem Bogen DINA0 Papier mit Stift, Lineal, Maistip und Bluebot eine eigene Stadt planen. Was für eine Stadt das sein sollte, konnten die Schüler selbst bestimmen (oder eben in der Gruppe), so konnte es eine Stadt der Zukunft, oder eine Stadt im Mittelalter oder eine bereits existierende Stadt wie New York, London, Rom, München oder Paris sein. Wichtig war nur, dass der Roboter am Ende von den Stadtplanern auch durch die Stadt durchprogrammiert werden konnte. Es durften Gebäude, Brücken, Türme, Menschen, Bäume, Ampeln etc aus Maistip gebaut oder aus Pappe / Papier gebastelt werden, der Fantasie der Kinder waren diesbezüglich keine Grenzen gesetzt.

Wir haben in verschiedenen Klassen unterschiedliche Modelle der Gruppenbildung versucht, manchmal durften sich die Schüler die Partner selbst wählen, manchmal wurden Nummern gezogen, manchmal hat der Lehrer Gruppen eingeteilt, manchmal gab es nur Jungs- und nur Mädelsgruppen. In der ersten halben Stunde des Planens war es immer sehr spannend zu beobachten wie unterschiedlich die verschiedenen Gruppen an die Planung gingen. Reine Mädchengruppen haben sich oft mit kleinsten Details beim Basteln verzettelt und komplett vergessen, dass sie ja Straßen für den Roboter brauchen, Jungs hingegen war die Ausgestaltung der Stadt erstmal total egal, hauptsache die Straße konnte vom Roboter befahren werden, der Fokus lag hier eindeutig auf der Programmierung.

Je älter die Kinder desto genauer konnte natürlich mit Lineal abgemessen und auch Winkel eingeplant werden. Beim Programmieren waren aber egal welches Alter und welches Geschlecht alle Feuer und Flamme und haben auch vor den Präsentationen schon immer mal bei der Nachbargruppe gespickt was die so alles in ihrer Stadt eingebaut haben und wie sie mit der Programmierung zurecht kommen. Nach vielen Bau- und Programmierarbeiten und dem anstrengenden Austausch mit den anderen über die Ideen für die Umsetzung war nach 3 Schulstunden dann meist der Punkt gekommen, an dem die Präsentationen starten konnte. Das war für alle immer ein großes Highlight!

Wie präsentiere ich das Projekt, was erzähle ich dazu, warum haben wir unsere Stadt so und nicht anders geplant, was war schwierig oder sehr einfach bei der Umsetzung. Es war immer eine große Freude den einzelnen Gruppen zuzuhören und sie zu beobachten. Bei manchen klappte dann die Programmierung nicht mehr, oder sie hatten den Bluebot mit der gespeicherten Programmierung ausgeschalten und damit alles gelöscht und versuchen nun fieberhaft während der Präsentation nocheinmal den kompletten Code wieder einzuprogrammieren. Am Ende waren alle mit ihren Ergebnissen mehr als zufrieden und wir konnten den Stadtplanern nur gratulieren zu ihren tollen Ergebnissen.

Auch für die Lehrkräfte war es spannend zu sehen wie die Kinder miteinander arbeiteten und auch wie sie am Ende die Präsentation gestalteten. Einige Lehrer fanden es in der Anfangsphase sehr laut und unruhig, als noch alle dabei waren ihren Platz in der Gruppe zu finden und auch zu klären was es für eine Stadt werden sollte. Am Ende fanden sie aber haben es alle Gruppen sehr gut gemeistert und die Lehrer sahen auch die Vorteile des Projektes für den eigenen Unterricht.

So noch Zeit blieb konnten wir noch ein wenig Scratch Jr. programmieren, etwas was zum Geschichtenerzählen anregt und gleichzeitig eine einfache Programmierung der einzelnen Figuren erfordert. Auch hier konnten die Kinder zusammen mit einem Partner eine Geschichte entwickeln, die verschiedenen Facetten des Tablets mit Malen, Tonaufnehmen und Schreiben sehr spielerisch kennenlernen. Die Kinder hatten auch hier viele kreative Ideen und haben einige sehr lustige, gruselige oder spannende Geschichten erfunden.

So ein Comupterraum zur Verfügung stand, konnten wir den Schülern auch einen ersten Einblick in die 3D Modellierung mit Tinkercad geben. Für die Klassen die direkt zu uns ins FabLab kamen war dies natürlich einfacher zu realisieren, da wir 20 PC Arbeitsplätze immer zugänglich aufgebaut haben. Die Klassen die ins FabLab kamen konnten dann auch noch den Lasercutter bei der Arbeit sehen.

Fazit: Rückblickend kann ich sagen, dass das Projekt für viele LehrerInnen, die zwar vielleicht schon von FabLab gehört hatten, aber sich nie so recht was drunter vorstellen konnten, ein sehr positives Erlebnis war. Sie konnten selbst mitprogrammieren, mit den Schülern tüfteln, wenn es mit der Programmierung Probleme gab und sahen ihre Schüler oft aus einem ganz neuen Blickwinkel. Und das Beste sie haben nun eine gute Vorstellung davon, dass die Arbeit mit Hightech oder besser die Arbeit mit computergesteuerten Maschinen gar nicht so abwägig für sie selber sein muss, sondern eine Bereicherung für ihren eigenen Unterricht und den der Kollegen sein kann. Wenn es ein wenig Ausstattung gibt. Bluebot dachten wir ist niederschwellig und kann auch ohne PC Raum und ohne WLAN eingesetzt werden und ist mit vielen Fächern kombinierbar. 3D Modellierung ist für das räumliche Vorstellungsvermögen und Geometrie natürlich perfekt, aber man braucht zumindest PCs und Internet. Und natürlich sind die Schüler motivierte etwas zu modellieren, wenn sie wissen, dass es nachher auch ausgedruckt wird.

In diesem Sinne sind wir schon sehr gespannt, was sich da für die Grundschulen in naher Zukunft noch tut und arbeiten derweil an unserem neuen Erasmus+ Projekt STEAM-H für Grundschulen geht. „STEAM-H Verbesserung der MINT-Lernerfahrung in Grundschulen durch einen STEAM – basierten, multidisziplinären Ansatz“.