Wie tickt die Stadt? gif:werkstatt mini-münchen

Wie tickt die Stadt? gif:werkstatt mini-münchen

Das Projekt bot Kindern und Jugendlichen aus Mini-München die Gelegenheit, Verläufe und Veränderungen in der Spielstadt zu ergründen, sie bildhaft zu erfassen und die Fotos gleich zu kurzen, animierten Bilderfolgen (.gifs) zusammenzusetzen. Entstanden sind über 200 gifs, zu sehen auf dem von Mini-Münchnern erstellten und betriebenen Blog: verspielt, chaotisch, intuitiv und situativ, scheinbar keiner Ordnung und Logik folgend. Und doch steckt hinter jedem gif eine Geschichte, vermittelt sich ein Eindruck von persönlichen Realitäten, Wahrnehmungen und Interpretationen. Gleichzeitig bot das Projekt, Anlass sich sinnfällig über Bildproduktion und Verbreitung von Fotos über soziale Netzwerke und Messenger Dienste auszutauschen, analog wie digital. Wenn es darum ging, wie wo und von wem (auch: von wem nicht und warum) die gifs gesehen und favorisiert werden  – vor Ort, im Internet, zuhause oder in der AkademieGalerie (U-Bahn-Station Universität), also in unterschiedlichen Kommunikationsräumen.

(bitte im Folgenden auf die Bilder klicken, das starten teilweise erst die Animation, danke)

tumblr_oc1qbjmixc1vyfmlno1_500 Das Projekt zielt darauf, die eigene Wahrnehmung zu sensibilisieren, die (Spiel-) Stadt anders (?) zu sehen, Eindrücke und Erlebnisse zu verdichten, sich über das Stadtleben und seine Bewohner auszutauschen sowie über die Darstellung in den gifs. Gleichzeitig fördert es einen eigenständigen und kritischen Umgang mit den Medien, lässt eigene Ausdrucks- und Nutzungs- möglichkeiten zu und bietet Beteiligung, jenseits von persönlichen und sozialen Voraussetzungen.

Das Projekt ergänzte die Mini-München-Web-Redaktion, in der Kinder aus Mini-München live berichten und veröffentlichen auf dem WordPress-Blog der Spielstadt. Täglich bot der Bereich 20-30 entsprechende Arbeitsplätze, 5-7 davon durchgängig für die gif:werkstatt, mit einer eigenständigen und ebenso von Mini-Münchnern erstellten und betriebenen gif:galerie.
Die Produktion und Distribution der gif:s erweiterten die Berichterstattung selbst sowie die Beteiligung im Web-Büro um eine spielerische und spontane Art mit hohem Unterhaltungs- und Kommunikationswert.

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Neben den beiden Internetseiten, die in der Spielstadt sichtbar zum Lesen, Mitmachen, Kommentieren und Teilen einluden, gab es mit „Mini-München-Mitte“, zeitgleich zur Spielstadt – aber außerhalb – eine weitere Präsentationsplattform in der U-Bahn-Station Universität. Auch dort, im öffentlichen Raum waren die Ergebnisse (neben vielen anderen) zu sehen und konnten gifs produziert werden.

Das Projekt startete bereits vor dem Spielstadtbetrieb (1.-19.8.2016). Im Juli trafen sich 15 Kinder und Jugendliche mit dem Ziel, u.a. Verläufe in der Spielstadt mitzuplanen. In der Werkstatt Mini-München probierten sie verschiedene Plattformen (u.a. makeagif.com, giphy.com) und Apps zur Produktion von gifs (u.a. boomerang, gif me! gif camera) aus, diskutierten deren Vor- und Nachteile, rechtliche Fragen und entschieden sich für Tumblr als (Blogging-)Plattform, da hier nicht nur gifs erstellt und geteilt werden konnten. Erste gifs entstanden und die gif:galerie ging nach Tests verschiedener Templates online.

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Während der Spielstadt war das Produzieren von gifs ein Teilangebot des Mini-München-Web, in den morgendlichen Redaktionskonferenzen wurden hierfür Ideen und Aufträge gesammelt. Es entstanden mehrheitlich eigenständige Projekte für die gif:galerie, mit der Zeit auch ergänzend zu Artikeln, die dann auf dem Blog des Mini-München-Web die klassischen Fotos oder Bilderserien ersetzten. Jeweils mit bereitgestellten Smartphones oder Tablets machten sich die Kinder auf den Weg durch die Spielstadt. Mal um situativ Ideen und Eindrücke zu sammmeln und spontan mit den Endgeräten zu knipsen. Mal mit einer festen Idee (z.B einer Serie von Schildern, Bereichen oder typischen Bewegungen wie dem Ausstellen von Ausweisen). Mal, um Veranstaltungen in der Spielstadt wie die Olympiade zu dokumentieren oder um einen Beitrag zu aktuellen Diskussion wie um die Börse in Mini-München zu liefern.

20160818_111214-2Immer stand eine kurze Einführung am Anfang, von erwachsenen Mitarbeitern, im Laufe der Zeit auch verstärkt von Kindern und Jugendlichen, die sich für die gif-Produktion begeisterten. Die simple Bedienbarkeit führte dazu, dass sich aus dem Ausprobieren gleich kleine Geschichten entwickelten, immer wieder (neue) Gegenstände in Bewegung gesetzt oder Zeichnungen Schritt für Schritt erfasst und zusammengesetzt wurden – und sich die Mini-Münchner gerade nicht raus in ihre Stadt bewegten sondern dem Reiz des Produzierens oder wie es die Kinder selbst nannten, der „wilden Kreativität“ erlagen. semmelnDas Projekt bot also beides: eine direkte Möglichkeit sich über schnell zu produzierenden und zu publizierenden Bilderfolgen mit dem Stadtgeschehen auseinanderzusetzen sowie eine eigensinnige und eher für sich stehende Tätigkeit. Zudem ließ das niedrigschwellige Angebot, für das wenig Vorwissen nötig ist, unterschiedliche Verweildauern zu und sprach vor allem Jüngere (7-12 Jährige) an.

Beim Entwickeln der Ideen und bei der gif-Erstellung war den Kindern v.a. die Wahrung der persönlichen Bildrechte wichtig. Die meisten kannten die Problematik aus dem Schulunterricht oder aus eigenen Erfahrungen. Auch diesbezüglich eignet sich die gif-Produktion, da das Tempo – wenn Gesichte oder Personen überhaupt erkennbar aufgenommen wurden – diese nur ansatz- und sekundenweise erkennen lässt.

yocial-mediagifstemplerMit der Entscheidung für Tumblr als Blogging-Plattform, war das Teilen und Liken der gifs nicht wie geplant  möglich. Ein eigener Account (ab 18 Jahren) wäre dafür notwendig. Dennoch war das Thema „Social Media“ auch in Mini-München virulent – und damit berichtenswert. Zahlreiche Artikel entstanden, regelmäßig wurde das „gif des Tages“ in Umfragen gesucht und gepostet. So kamen weit mehr Mini-Münchner, als diejenigen, die in der Web- Redaktion regelmäßig miteinander in Diskussion und Austausch über Internetphänomene. Auch in Hochschulkursen von Kinder-Redakteuren wurden diese thematisiert und das Wissen über die gif-Produktion weitergegeben.

Insgesamt entstanden so 221 gepostete gifs an 15 Spielstadt-Tagen. Die Anzahl der Seitenaufrufe auf dem Tumblr-Blog sind nicht erfasst, die vom Mini-München-Web betrug 6534 (20.8.16).

Einschätzung: Animierte Bilderfolgen sind nicht neu, kommen nicht nur in der Kunst zum Einsatz oder als Vorstufe in der Trickfilmproduktion sondern sind auch im Alltag älterer Kinder und Jugendlichen präsent, wenn Memes sich verbreiten und Anlass zur Kommunikation untereinander sind.  Je nach Art und Anlass lässt die Produktion von gifs unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten zu. Die Bildauswahl oder die Nachbearbeitung der gifs beispielsweise spielte im speziellen Kontext der Spielstadt keine Rolle. Grundlegend war hier die rasche und simple Produktion.  Auch das Teilen und Favorisieren der Produkte war eher nachrangig. Spannend wäre sicherlich ein ähnliches Projekt mit Jugendlichen durchzuführen, z.B. mit einem Instagram-Account für die Präsentation der gifs. Hier liegen Spielräume, die in der aktuellen Durchführung nicht genutzt werden konnten.

Für Jüngere eignet sich die gif-Produktion gut, zumal mit der gewählten App CAMERA GIF CREATOR. Diese verzichtet zwar auf Nachbearbeitung, bietet dafür leicht zu erkennende Einstellungen und führt schnell zum Ergebnis, das sich direkt teilen lässt. Zudem eine Free-Ware ohne nervige Add-Ins und zurückhaltender Werbung, die die Optik nicht stört und keinen weiteren Zugriff außer auf die Bilddateien einfordert. TUMBLR ist für die Eigennutzung erst ab 18 Jahren vorgesehen, mit den für alle zugänglichen und einheitlichem Zugangsdaten aber pädagogisch betreut gut nutzbar– und vermittelt einen Eindruck davon, wie Blogs als Redaktionssysteme funktionieren und sich Medien (im gewissen Rahmen) eigenständig gestalten lassen.

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