Ist Privatsphäre nur noch eine Illusion?

Ist Privatsphäre nur noch eine Illusion?

privatsphaere2014In jeweils knapp 30 minütigen Multimedia-Vorträgen im Rahmen der Datenschutz-Projektwoche 2014 sollte zunächst ein Einblick in Technik und Werkzeuge von Geheimdiensten, Datenkraken und Online-Betrügern vermittelt werden.
Es war u.a. geplant, näher auf Erkenntnisse einzugehen die erst durch Edward Snowden offengelegt wurden. Schließlich sollte versucht werden, mögliche Reaktionsweisen auf die allgegenwärtige Überwachung durch staatliche Stellen, Wirtschaft und Kriminelle zu diskutieren.

Durchführung:
Zu Beginn jedes Vortrags habe ich versucht auszuloten, welchen Wissensstand die aktuelle Gruppe mitbrachte um jeweils daran anzuknüpfen. Je nach Alter und individuellem Hintergrund ergab sich ein sehr heterogenes Bild: Edward Snowden und die NSA waren den Schülern durchweg bekannt, Bradley Manning, Julian Assange und WikiLeaks hingegen meist nicht. Mit dem Begriff “Metadaten” konnte kaum jemand etwas anfangen und an die ursprünglich geplante Vorführung von Verschlüsselung und Anonymisierung war mangels Vorkenntnissen und aufgrund der beschränkten Zeit jedes Vortrags nicht zu denken.
Der Vortrag beschränkte sich daher auf wesentliche Aspekte der NSA-Überwachung. Anschließend folgte eine knappe Diskussion über die Geschäftsmodelle von Google, Facebook und Co. (wir bezahlen mit unseren Daten…) und zum Schluss wurde exemplarisch der Betrug beim online-banking beim mTAN-Verfahren geschildert. Je nach Interesse und Vorkenntnissen der Schüler wurden auch die Themen Smartphone-Sicherheit und Passwortsicherheit gestreift.

Ergebnisse:

Beteiligung und Interesse der Schüler war höchst unterschiedlich. Von engagierten Diskussionen bis zu offen zur Schau gestelltem Desinteresse war alles vertreten.
Bei der großen Mehrzahl der teilnehmenden Schülern ist es aber sicher gelungen, die Sensibilität für den Umgang mit den eigenen Daten zu steigern. Nach dem Vortrag werden vermutlich nur sehr wenige Schüler bereits sein, einer Taschenlampen-App auf dem eigenen Smartphone den Zugriff auf Adressbuch und Internet zu erlauben.

Besonderheiten im Hinblick auf das Schwerpunktthema:
Angesichts der Materialfülle konnten nur wenige Aspekte herausgegriffen werden. Bei der großen Mehrheit der Schüler war ein Unbehagen bei staatlicher Überwachung zu spüren.
Die Aktivität von Datenkraken wie Google, Facebook und Co. wird dagegen kaum kritisch hinterfragt und die Bedrohung durch Internet-Kriminalität wird vermutlich erst dann ernst genommen, wenn man selber unmittelbar betroffen ist.

Besonderheiten im Hinblick auf die Zielgruppe:

Die Vorträge wurden für Schüler unterschiedlicher Schultypen (Mittelschule, Realschule, Gymnasium) und Jahrgangsstufen (Stufe 6-9) gehalten.
Es gab jederzeit die Möglichkeit einzuhaken, Fragen zu stellen und eigene Probleme zu schildern. Es kamen Fragen von der WLAN-Verschlüsselung bis zur Sicherheit des eigenen Smartphones.
Zu Schwachstellen und Sicherheitslücken von iPhones war ich nicht ausreichend mit konkreten Beispielen vorbereitet. Benutzer von iOS könnten in ihrem Glauben bestärkt worden sein, dass ihr Gerät immun gegen die meisten Bedrohungen sei.
Persönliche Betroffenheit erzeugt großes Interesse. Abstrakte Schilderungen über Bedrohungen aller Art lassen die Zuhörer oft kalt, wenn die eigene Betroffenheit fehlt.

Weitere Informationen:
In die Vorträge sind u.a. Bilder und Informationen des Projektes “Der geheime Krieg” eingeflossen: http://www.geheimerkrieg.de/#entry-5-7879-das-projekt
siehe auch: https://www.youtube.com/watch?v=PoKHbXiMAOo

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Ansprechpartner: Erich Löw
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