Medienprojekt Gender-Märchnfilm

Die gestiefelte Katze gendert sich ihren Weg – Begleitung gesucht m/w/d

Ein geschlechtssensibles Medienpraxisprojekt.

Film ab für ein Märchen ohne Rollenklischees!
Projektidee ist, Kinder durch die klassische Märchenwelt reisen zu lassen und dabei den Blick auf Stereotype und Geschlechterrollen zu lenken. Intensiviert wird die Auseinandersetzung mit der Gender-Thematik dadurch, dass die Kinder selbst produktiv werden. Sie sollen gemeinsam ein geschlechtsneutrales Märchen erschaffen und dieses aufführen und filmen.
Den Kindern stehen dabei mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: Traditionelle Märchenfiguren aus dem Original adaptieren, Protagonisten in eine andere Rolle mit geschlechtsneutraler Wertorientierung ändern, Figuren weiterentwickeln oder in eigenes geschlechtsneutrales Märchen erschaffen.
Die aktive Vorgehensweise und zusätzliche theaterpädagogische Übungen wie „Emotionen erraten“ sollen die Kinder zu Kreativität und Fantasie in der Rollenfindung motivieren und die zu vermittelnde Gender-Thematik spielerisch vermitteln.

Projektziele

Digitaler Medieneinsatz
Die Greenscreen-Technik (Einblick in die App do it Ink) wurde gewählt, weil sich die Kinder hiermit in ihre Märchenwelten zaubern, sich an jeden Ort versetzen können. Sie entdecken die digitalen Möglichkeiten und lernen den spielerischen und kreativen Umgang damit. Der Medieneinsatz von Kamera, Tablet und Licht/Ton erweitert das technische Know how. Beim Betrachten der erstellten Bilder und Videoclips wird reflektiert, dabei wird angeregt, Medien kritisch zu sehen.

Gender-Thematik
Ziel des Medienprojektes ist, die Kinder auf die Gender-Thematik aufmerksam zu machen. Sie sollen die bestehenden Stereotypen der Märchenwelt betrachten und sich mit den bestehenden Stereotypen auseinandersetzen. Die Kinder sollen dafür sensibilisiert werden, wie Sprache Rollenklischees transportiert.
Durch die aktive Projektarbeit werden weitere Kompetenzen gefördert:
-> Sprach- und Schreibkompetenz durch das Verfassen eines Storyboards und die schauspielerische Leistung beim Filmdrehen,
-> Medienkompetenz/digitale Kompetenz durch Verwendung der Greenscreen Technik,
-> Sozialkompetenz durch das Arbeiten im Team ,
-> Kreativität durch Erfinden eines eigenen Märchens,
-> Bewusstsein für eigenen Selbstwert – unabhängig von Geschlechterrollen.

Gruppe und Zeitrahmen (Beteiligte, Zielgruppen)
Kooperationspartner/Einrichtungen
–> OGTS „PlinGanztag“ offene Ganztagsschule OGTS „PlinGanztag“, Grundschule an der Plinganserstraße
Zeitrahmen: 4 Einheiten/je 2 Std.
Teilnehmeranzahl: 10 Schüler*innen der 3. Klasse, gemischt, 8 – 9 Jahre
–> Münchner Waisenhaus
Das Münchner Waisenhaus versteht sich als ein zweites Zuhause auf Zeit für Kinder und Jugendliche unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft. Es ist eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung mit stationären und teilstationären Bereich.
Zeitrahmen: 3 Einheiten/je 3 Std. und 1 Einheit/6 Std.
Teilnehmeranzahl: 9 Kinder aus verschiedenen Gruppen, gemischt, 7-11 Jahre

Projektablaufplan/Umsetzung der Projektziele

Eine Zusammenarbeit in einer Gruppengröße bis 8-10 Kinder war vorgesehen. Umfang von 4 Nachmittagen/pro Einrichtung.
Das Projekt ist in der Plingans Grundschule mit Drittklässlern realisiert worden. Die Kinder wurden durch ein Elternbrief über das Projektvorhaben informiert. Der Zeitrahmen war hier entgegen den Projektplan von drei auf zwei Stunden am Nachmittag (14-16 Uhr) begrenzt. Die erste Phase erfolgte im Februar 2020 und der vierte Termin am 10.03.2020.
Im Münchner Waisenhaus konnte das Projekt nach Fasching in den Ferien an (2 Vormittagen, 1 ganzen Tag, wie der Nachdreh an einem Schultag nachmittags) durchgeführt werden.

Vorbereitungszeit
In beiden Einrichtungen: Gewinnung als Kooperationspartner, Konzept ist vorgestellt worden, per E-Mail und persönlichen Treffen.

In der Schuleinrichtung/PlinzGanztag: Nach Terminvereinbarung für die Durchführung des Medienangebots ist ein weiterer Termin vor Ort notwendig gewesen, Besichtigung der Räumlichkeiten in der Schule. Hier wurde auch eine Medien Ausleihe (Greenscreen Equipment und iPad/Stativ, Audioaufnahmegerät) vom Medienzentrum eingeplant. Einladungsschreiben, Erstellen eines Elternbriefs um das Projekt vorzustellen mit beigefügter Einverständniserklärung (um Video/Foto/Tonaufnahmen zu veröffentlichen).

Im Waisenhaus sind auch zwei Vorbereitungstreffen notwendig gewesen (Konzeptvorstellung, Prüfen der Räumlichkeit und der vorhandenen Medienausstattung/Technik). In zwei Räumlichkeiten konnte das Projekt stattfinden, das kleinere Medienzimmer war geeignet für das Kennenlernen und die Märchenerzählungen, für die Drehtage konnte die große Aula mit Bühne genutzt werden. Für die Veröffentlichung wurde vereinbart aufgrund der Schutzbedürftigkeit der Kinder, diese unkenntlich mit Masken (Bild/Video) zu zeigen.

Weitere Vorbereitungszeiten
Medien Ausleihe zu organisieren, die Abholung und das Aufstellen der Ausrüstung ist ein halber Tag einkalkuliert worden.
Recherchearbeit (Auswahl,Download): Infomaterial für Märchenanalyse, Märchen, Spielübungen und Download von Hintergrundbilder/Videos/Musik.

Verwendete Medien und Produkte
iPad Tablet, Stativ mit Tablethalterung, Greenscreen Tuch (groß, 3x6m), Aufsteller/Ständer, Audio-Aufnahmegerät, Lichttechnik. Zweites Tablet (Android) für Fotodokumentation und Präsentation der Hintergrundbilder.
Software/Apps
Green Screen by Do Ink App (iOS)
Nachbearbeitung für den Videoschnitt: Shotcut (Freeware) und Adobe Premiere
Auswahl an kostenlose und lizenzfreie Bilder aus Pixabay und Videezy Community (Green Background – Videoclips).
Weiteres Material
Grimms Märchenbuch, Kostümkoffer, Faschingsmasken, Schminke, Requisiten, Arbeitsblätter (DINA3 Papier) und Stifte, Filmklappe, Emoji-Schilder, Klebeband, Klammern (für Grünstoff).

Ablauf der Projekttage am Beispiel der Plingans-Grundschule (PlinGanztag)

1. Projekttag: Märchenerzählung und gendersensible Analyse
Vorstellungsrunde
Zu Beginn fand eine gemeinsame Kennenlernrunde (Warmup) statt, da die Teilnehmer*innen des „PlinGanztag“ aus verschiedenen 3. Klassen kamen und sich nicht näher kannten.

Erklärung des Projektvorhabens Warum nicht der Kater, sondern:
Die gestiefelte Katze gendert sich ihren Weg – Begleitung gesucht m/w/d Den Schüler*innen wurde das Projektvorhaben, einen Märchenfilm unter dem Gender-Aspekt zu drehen, erklärt.

Einführung in die Gender-Thematik
Anhand eines Beispiels wurde ein Auszug aus dem Märchen vorgelesen, um die Kinder für die Gender-Thematik zu sensibilisieren.

Diskussion/R eflexion/Märchenanalyse:
Wohin geht die Reise? Die Katze gendert los.
In der anschließenden Gesprächsrunde wurden die Kinder angeregt, sich mit den Rollenklischees der Märchenwelten auseinanderzusetzen. Als Einstieg hierfür wurden sie ermutigt, ihre Lieblingsmärchen vorzustellen.
Dann wurden die Kinder für die Stereotypen der klassischen Märchenwelt sensibilisiert, indem Fragen nach starken Kämpfer*innen und Held*innen in Märchen der Gebrüder Grimm gestellt wurden. Dabei wurde die Eindimensionalität der Figurenkonstellation, wie z. B. Prinz und Prinzessin besprochen. Auch die Untersuchung der Märchenmerkmale half, Rollenklischees zu entdecken. Gemeinsam wurde überlegt, welche Figur in welchem Märchen eine besondere Aufgabe hat (z. B. Auszug des Helden/Heldin). Ebenso wurden dazugehörige Ambivalenzen von den Kindern entdeckt (arm-reich, schön-hässlich, mutig-ängstlich).
Zur Auflockerung und Aktivierung der Kinder kamen folgende Spiele bzw. Übungen nach dem theaterpädagogischen Ansatz zum Einsatz: 
-> Stimmübungen (Verschiedene AHs, stimmungsvolles Sprechen)
-> Kleine Rollenspiele (“Armer schwarzer Kater” wurde mit Begeisterung gespielt)
-> Szenische Übungen wie Tiere und Emotionen erraten (Hilfsmittel Emoji-Schilder)
-> Bewegungsspiel mit Musik.
Übungen, um Stimmungen und Spielsituationen auszudrücken. Diese weckten die Fantasie und Kreativität der Kinder und waren als Anregung für das szenische Spiel vor der Kamera angedacht.

Vorstellung des gendersensiblen Märchens „Die gestiefelte Katze“
Am ersten Tag unterstützte das Projekt die Geschichtenerzählerin Christa Knappik bekannt als „dumme Augustine“. Sie erzählte das Märchen „Der gestiefelte Kater“ gendergerecht umgewandelt in „Die gestiefelte Katze“ frei und lebendig (Zeitaufwand ca. halbe Stunde).
Mit dieser gelungen geschlechtssensiblen Erzählweise versetzte sie die Kinder gebannt lauschend in die Märchenwelt. Die Kinder erlangten eine Vorstellung, wie die Handlungsfiguren frei von Rollenklischees gespielt werden können.

Zum Abschluss des Tags wurde das traditionelle Märchenende (“Und wenn sie nicht gestorben sind …”) gemeinsam aufgesagt. Dies wurde im Projektverlauf ein beliebtes Ritual. 

Herausforderungen
An diesem Tag stellte sich die Herausforderung einer gerechten Rollenbesetzung, da fast alle Kinder die Hauptrolle spielen wollten. Gelöst wurde das Problem, indem den Kindern zum einen der Stellenwert der übrigen Rollen vermittelt wurde. Zum anderen wurde die Hauptrolle im Wechselspiel viermal besetzt. Somit konnte die „gestiefelte Katze“ gendern bzw. los stiefeln.

Ergebnis
Verstehen von Rollenklischees in Märchen und Sensibilisierung für die Gender-Thematik. Für die Dokumentation sind Bilder erstellt worden, die die Kinder fotografierten.

2. Projekttag: Erstellen des Storyboards und Probeaufnahmen im Greenscreen Studio
Am zweiten Tag lag der Fokus darauf, ein Drehbuch zu schreiben. Das Storyboard wurde gemeinsam entwickelt.

Erarbeiten des Storyboards
Das Märchen „Die gestiefelte Katze“ wurde unter dem Gender-Aspekt erarbeitet, die einzelnen Szenen wurden auf DinA3 Blätter notiert. Wer spielt mit, welche Figuren gibt es, was ist Handlung? Die Figurenkonstellationen wurden von den Kindern entwickelt. Die Hauptfigur wird als sprechende Katze neutral zum Helfer*in der Müllers Tochter Louisa (und nicht Müllersohn), es gibt eine Kutscherin usw.
Beim Vorlesen des Märchentextes und Aufschreiben der einzelnen Szenenabfolge wechselten sich die Kinder ab. Aufgabe war, die einzelnen Figurenkonstellationen in Handlung und Text zu skizzieren und das Setting bzw. den Ort auszuwählen, der als Hintergrundbild im Greenscreen-Verfahren eingefügt wird. Die Kinder orientierten sich dabei eng am Originalmärchen und beschäftigten sich mit der Umwandlung der weiblichen und männlichen Figuren. Da ein Kind keine Einverständniserklärung für die Filmaufnahmen hatte, fand sich als Lösung, dass es die Rolle des Erzählers übernahm.

Übungen­ nach dem theaterpädagogischer Ansatz
Um den eher streng strukturierten Tagesablauf das Drehbuchschreiben aufzulockern, wurden Spielsituationen angeboten. Die Teilnehmer*innen erfuhren so, dass Körperbewegung, Mimik, Gestik und Stimme zusammenwirken, um ihre Märchenfigur vor der grünen Leinwand lebendig werden zu lassen.
Auch wurde Musik eingesetzt, um Märchenfiguren im Bewegungsspiel auszuprobieren. Alle Kinder bewegten sich mit viel Freude zur Musik und probierten dabei verschiedene Gangarten wie „Katze schleicht durch den Raum“ oder „Schreiten wie ein König“ oder „Tanzen wie ein fröhlicher Zwerg“ aus.


Kostüme
Da das Projekt in der Faschingszeit stattfand, haben einige Kinder ihre eigenen Kostüme mitgebracht. Zudem stand ein großer Koffer mit verschiedensten Kostümen und Accessoires zur Verfügung. Die Kostüme wurden mit viel Spaß ausprobiert und eigenständig das ausgesucht, was zur Rolle passt.

Fotoshooting – Ausprobieren der Greenscreen Technik
Erstes Ausprobieren mit Verkleidung vor der Kamera (Tablet): Mit viel Spaß wurden die Kostüme angezogen. Das Greenscreen Studio war aufgebaut. So konnten sich die Kinder mit dem Setting der grünen „Leinwand“ vertraut machen. Aufgrund der Räumlichkeit und dem aufgespannten Grünstoff war wenig Platz für das Spiel mit mehreren Darstellern. Es wurde abgemessen, wie viel Platz zum Theaterspielen möglich ist und die Spielaktionsfläche wurde mit Klebeband markiert.
Aus dem zur Verfügung gestellten Pool an Hintergrundbildern suchten sich die Kinder ihren Favoriten passend zu ihrer Märchenfigur aus. Highlight war dann das Fotografieren im Kostüm. Die Fotos wurden farbig ausgedruckt und am nächsten Tag verteilt.
Jedes Kind stellte sich in seiner Rolle kostümiert einzeln vor und es wurde ein Gruppenbild gemacht. Es entstanden Fotos mit der Greenscreen-Technik.

Herausforderung
Es benötigte sehr viel Zeit, um das Drehbuch fertig zu erstellen, da die Kinder sehr stark an der Textvorlage des Märchens festhielten. Ebenso zeitintensiv war das Märchen gendersensibel umzuwandeln.

Ergebnis
Fertiges Drehbuch mit dem Märchentitel „Die gestiefelte Katze“.

3. Projekttag: Film ab!
Aufnahme von Videoclips/Sequenzen mit Tabletkamera und der Green­screen-Technik

Einführung in die Greenscreen-Technik
Den Kindern wurde die Funktion der Greenscreen erklärt. Ihnen wurde gezeigt, wie man mit der dazugehörigen App auf dem Tablet eine Person vor dem grünen Hintergrund aufnehmen und die Fotos oder Videosequenzen dann freistellen kann. Dies geschieht, indem das Grüne herausgefiltert wird. An dessen Stelle kann man nun neue Hintergrundfotos oder Videos einfügen. Man kann sich also „an jeden Ort der Märchenwelt“ zaubern. Zur Verfügung gestellt wurde den Kindern ein Pool an Bildern oder Videos, die zu den Märchen passen. Schnell war den Teilnehmer*innen klar, dass man durch diese Technik die Möglichkeit besitzt, Bilder/Videos zu präsentieren, die in Wirklichkeit gar nicht möglich sind.
Das Spiel mit den Emoji-Schildern am Vortag kam so gut an, dass die Kinder diese als Regieanweisung und Hilfestellung für die aktuell Spielenden gerne einsetzten.

Herausforderung Rollenverteilung
Bei den PlinGanztags- Kindern ist mit vier Katzen als Hauptrolle auch immer ein schneller Wechsel notwendig gewesen. Letztlich aber ist die Rolle überwiegend von zwei Kindern gespielt worden. Es fand eine selbstständige Entwicklung statt hin zur Erkenntnis, dass andere Rollen auch attraktiv gestaltet und frei ausgebaut werden können. Einige spielten auch mehrere Figuren.
Das Storyboard wurde an einer freien Tafel aufgehängt und die Schüler*innen orientierten sich daran. Der Text wurde ein- bis zweimal probegesprochen und dann konnten die Kinder ihre Rolle vor der Kamera spielen. Die Aufnahme war also schnell im „Kasten“.

Teamgeist
Im laufenden Prozess entwickelten sich die Kinder, die gerade nicht am Dreh beteiligt waren, als sehr aufmerksam und suchten sich andere Aufgaben. Gegenseitig unterstützten sie sich.
Wer gerade nicht spielte, der bekam andere Aufgaben z. B. als Kostümassistent*in zugeteilt. Eine/einer betätigte die begehrte Filmklappe und von dem/der Kameraassistent*in wurde das Kamerabild am Tablet gecheckt oder ein Kind übernahm die Tonaufnahme mit dem Aufnahmegerät.
Zum Abschluss des Projekttages wurde die beliebte Schlussformel (“Und wenn sie nicht gestorben sind …”) wie gewohnt gemeinsam aufgesagt.

Ergebnis
Filmaufnahme bzw. Videosequenzen mit Greenscreen Technik des Märchens „Die gestiefelte Katze“.

4. Projekttag (Nachdrehtag)
Der vierte Projekttag war vorab reserviert worden als sogenannter Nachdrehtag und wurde auch in beiden Einrichtungen benötigt. Es wurde initial schon vermutet, dass ein Nachmittag nicht ausreichen könnte, ein Märchenspiel zu drehen.

Organisatorische Vorbereitung
Am Vortag wurde die Medienausstattung erneut ausgeliehen und die Grünwandtechnik aufgestellt. Zum Projektbeginn galt es alles vorzubereiten; Kamera und Stativ einzustellen, Markierungen zu setzen, das Drehbuch auszulegen, Aufnahmegerät bereitzumachen. Weitere Aufnahme-Utensilien wie Filmklappe und Emoji-Schilder, Kostümkoffer samt Accessoires für die einzelne Rollen wurden vorher raus gelegt. Die Kinder brachten ihre Kostüme und ihre neuen Einverständniserklärungen mit. Gemerkt haben sie sich auch, dass eine grüne Bekleidung nicht das Richtige für das Spiel mit der Grünwandtechnik ist.

Erneuter Einstieg ins Märchenspiel
Der zeitliche Abstand von fast 3 Wochen war kein Problem für die Kinder, sich wieder auf das Märchenspiel einzulassen. Im Gegenteil, die Drittklässler erinnerten sich an die Szenenabfolge sehr exakt. Sie hielten sich an das aufgehängte Storyboard und wollten am liebsten alles nochmals spielen.

Spielfreude
Sehr vorteilhaft war der Nachdrehtag, da es noch Zeit für neue Aufnahmen gab und Szenen wiederholt und optimiert werden konnten. Einige Kinder wollten unbedingt spielen, da sie bisher nur einen „Nebenrollen“-Dreheinsatz hatten. So entstanden neue „Feld-Wald-Wiesen“-Szenen.
Die bisher eher ruhigeren Darstellerinnen glänzten mit improvisiertem eigenen Text und Spiel. In Eigenkorrektur achteten die Kinder darauf, dass sich „Die Katze“ gut durch das Märchen „gendert“.

Der Kater…
oh, nein: Die Katze!

So muss es lauten: Die Katze!

Dabei achteten alle immer auf die Begrenzungen des sogenannten Spielfeldes und bedienten sich der Märchenwelt, in der alles möglich ist. Und so machten sie auch ein positives Märchenende möglich.

Szene aus “Die gestiefelte Katze”

Und wie gewohnt erschallte die Happy End Schlussformel

Zum Abschluss und gemeinsamen Acting entstand erneut ein Gruppenbild.
Die Schüler*innen waren am Nachdrehtag besonders engagiert und sehr begeistert bei der Sache.

Ergebnis: Finalisierung der Filmaufnahmen
Es entstanden zwei freie Darstellungen und Interpretationen von Märchen „Die gestiefelte Katze“ und „Schneewittchen und die vier Zwerge“. Gemeinsam mit viel Spaß am Spiel und Kreativität ist in den Projektgruppen ein eigener ‘Gender’- Märchenfilm erschaffen worden.

Herausforderungen/Berichtsergänzungen

Weiteres Projekt im Münchner Waisenhaus
Im Münchner Waisenhaus wurde gemeinsam entschieden, das Märchen „Schneewittchen“ zu wählen, weil hier viele Rollen besetzt werden konnten. Nach Aufteilung der Rollen entstand der entsprechende Märchentitel „Schneewittchen und die vier Zwerge“.

Ablauf der Projekttage und Herausforderungen im Waisenhaus
Anfangs war die Situation am Drehtag etwas unruhig, da zwei Schülerinnen „keine Lust“ mehr hatten und absprangen. Das Projekt drohte zu platzen. Aber am Nachmittag waren die anderen Teilnehmer*innen wieder mit bester Spiellaune da und agierten in ihren Rollenfiguren. Folglich wurde der vierte Tag zum Nachdrehen notwendig, um alles in den “Kasten“ zu bekommen. Das Zeitfenster war aufgrund des Schultags nachmittags auf zwei Stunden begrenzt. Das Wochenende dazwischen erforderte einiges an Motivation und Zuspruch einen Teil der Gruppe zum Mitmachen zu bewegen. Letztendlich zählte der Gedanke „Alle werden gebraucht!“ und jede Rolle ist wichtig. Das überzeugte alle.

Unterschiede in den beiden Einrichtungen (Waisenhaus/PlinGanztag)

Interesse/Kooperation der Kinder
Ebenso wie in der PlinGanztag taten sich auch in der Projektgruppe des Münchner Waisenhauses Schauspielqualitäten auf. Zudem begeisterten sich die Kinder für Assistenzarbeiten wie der Tonaufnahme und dem Einsatz der Filmklappe.
Viel Interesse an der Medientechnik (Licht und Ton) hatte hier besonders ein Kind. Der 8-Jährige brachte auch seinen eigenen Musikverstärker für die Musikszenen mit. Auch war er bei der Nachbearbeitung der Greenscreen-Videoclips dabei, er wählte die Hintergrundbilder aus oder schaute einfach beim Videoschnitt interessiert zu.

Szene aus Schneewittchen: Spieglein, Spieglein …

Szene aus Schneewittchen: Zwergentanz

Szene aus Schneewittchen – ein gendergerechter Walzer: Prinz tanzt mit Schneewittchen


Disziplin/Struktur
Im Rahmen der Struktur der Ganztagsbetreuung war zu beobachten, dass sich die Kinder in der PlinGanztag- Projektgruppe „angepasster“ verhielten. Die Kinder meldeten sich wie in der Schule. Konzept-orientiert gewohnt konnten die Schüler*innen konzentriert mitarbeiten, was sich besonders beim Drehbuchschreiben zeigte.
Die Waisenhaus-Projektgruppe war im Alter von sieben bis elf Jahren. Die Kinder kannten sich kaum (leben im Waisenhaus in verschiedenen Gruppen) und dennoch bildeten sie ein homogenes Team. In ihrer Märchenfassung des gegenderten Schneewittchens agierten die Teilnehmer*innen freier und kreativer.

Im Waisenhaus offerierte die große Aula viel Freiraum fürs Toben und so war es manchmal schwer für die Kinder, sich wieder auf die Dreharbeit zu fokussieren. Da galt es die Kinder wieder einzufangen und für die Aufnahmen zur Ruhe und Konzentration zu motivieren. Hier gab es Unterstützung von Mitarbeitern aus den Waisenhaus-Gruppen, die die Kinder beisammen hielten.

Technik/Aufnahme
Schwierigkeiten gab bei der Ausleuchtung in der Grundschule, da die spezielle Ausleuchtung fehlte. Die Teilnehmer*innen beider Projektgruppen haben gelernt und darauf geachtet, keine grünen T-Shirts und Verkleidungen oder Tücher zu verwenden, um nicht ungewollt durchsichtig im Videoclip zu erscheinen. Aus Zeitmangel konnten nicht alle Videoclips nach der Aufnahme gemeinsam gesichtet werden.

Besondere Herausforderungen

Sportlicher Zeitrahmen
Die Durchführung des Modellprojekts „Die gestiefelte Katze“ war mit der zeitlichen Begrenzung auf drei bis vier Projekttage in den Einrichtungen eine recht sportliche Herausforderung, die dennoch sehr gut gelang.
Zeitintensiv war das Projekt auch, weil es zwei Schwerpunkte hat: zum einen die Gender-Thematik, zum anderen Medienkompetenzen beim Erstellen eines Märchenfilms mit der Greenscreen Technik. Beides bedarf einer umfangreichen inhaltlichen und zeitlichen Erarbeitung.
Finalisiert werden konnte das eine Projekt (PlinGanztag) letztlich in der Nachbearbeitung. In der Greenscreen App mussten noch die passenden (besprochenen) Hintergrundbilder; Effekte und Ton zu den zahlreich aufgenommenen Videoclips beigefügt werden. Der Schnitt der einzelnen Sequenzen erfolgte mit dem Programm Shotcut.

Wünschenswert eine längere Projektzeit mit den Kindern für die Recherche und Auswahl der Hintergrundbilder/Videos und auch Nachbearbeitung zu haben, um die fiktiven Märchenwelten mit der Greenscreen-Technik gemeinsam entstehen lassen zu können.

Terminfindung
Grundsätzlich gab es im Vorfeld Schwierigkeiten mit dem Tagesablauf der Schüler*innen eine mögliche Projektzeit zu vereinbaren. Das konnte daher mit einer extra Genehmigung im PlinGanztag erfolgen und im Waisenhaus wurde die Projektzeit auf die Ferien gesetzt.

Abschlussarbeiten
Da der letzte Drehtag im PlinGanztag Mitte März stattfand, war leider aufgrund der Corona-Krise kein Termin mehr möglich, gemeinsam mit den Kindern am Filmschnitt zu arbeiten. Die Nachbereitung konnte dagegen im Waisenhaus noch gestartet werden, dies fand nach den Faschingsferien an zwei Terminen statt. Die aufgenommen Filmsequenzen sind mit dem Programm Adobe Premiere dort vor Ort bearbeitet worden.

Fazit
Mit diesem Projekt wurden die Kinder nicht nur für die Gender-Thematik sensibilisiert, sondern auch zu einem partizipativen, selbstbestimmten Umgang mit Medien befähigt. Im Sinne der aktiven Medienarbeit und kulturellen Bildung wurden digitale Medien als Werkzeuge eingesetzt, um gegenderte Märchen mit der Greenscreen-Technik zu verwirklichen. Mit dem Filmen der gegenderten Version eines Märchens ist die Verinnerlichung der Gender-Thematik im Spiel sehr gut gelungen. In beiden Einrichtungen wurden die Märchen ohne Rollenklischees umgewandelt und gespielt.
Das Märchen „Der gestiefelte Kater“ wurde zur „Die gestiefelte Katze“. Und das „Schneewittchen“ spielten beide Geschlechter. Beide Projektgruppen spielten frei und losgelöst von den typischen Rollenklischees. Die klassisch männliche Rolle übernahm ein Mädchen und tanzte mit dem männlichen Darsteller von Schneewittchen in der Abschlussszene Walzer.

Vielseitig – divers – kreativ und voller Einsatz! Voll und ganz gegendert!

Empfehlung
Um einen nachhaltigen Projekterfolg zu erzielen, wäre eine zeitliche Projekterweiterung sinnvoll. So könnte das Auflösen von Rollenklischees weiter verstetigt werden. Als Abschluss des Projekts ist eine Vorführung der Filmproduktionen der Gender-Märchen im Rahmen einer schulischen Veranstaltung und am Sommerfest des Waisenhauses geplant. Eine Vorführung im kleineren Rahmen ist auch in Planung (Corona-bedingt leider offen).

Projektdurchführung und Konzeption:
Pamela Berckemeyer, Medienkitz

Gefördert im Rahmen des medienpädagogischen Förderprogramms von Stadtjugendamt München und Netzwerk Interaktiv www.kooperationsprojekte-muc.de