#Uploading_Holocaust – interaktive Schulklassenveranstaltung zur zeitgenösischen Erinnerungskultur

Überblick und Ablauf

Den Holocaust öde finden – darf man das? Kaum sind die letzten Zeitzeugen verschwunden, scheint auch die Erinnerung an die Gräuel unserer jüngsten Geschichte im Vergessen begriffen. Rechte Parolen wollen in Europa „salonfähig“ werden, der wache Einsatz dafür, dass etwas wie die systematische Vernichtung von rund sechs Millionen Juden nie wieder geschehen darf – Schnee von gestern?

Anderswo sieht das ganz anders aus: 30.000 junge Israelis pilgern jährlich auf den Spuren ihrer Geschichte nach Polen. Das Smartphone wird so zum Instrument des Erinnerns, ihre Eindrücke von Konzentrationslagern und Gedenkstätten teilen die Digital Natives in Form von Videos in sozialen Netzwerken. Der Dokumentarfilm #UPLOADING_HOLOCAUST (Deutschland 2016, Regie: Udi Nir, Sagi Bornstein), der zu 100% aus diesen Kurzclips besteht, zeigt die „Generation Youtube“ in reger Auseinandersetzung mit dem Thema.

Die Schulklassenveranstaltung von DOK.education in Kooperation mit Netzwerk Interaktiv, dem Stadtjugendamt München und der Doris-Wuppermann-Stifttung mit dem Titel #uploading_holocaust stellt das vermeintliche Desinteresse von deutschen Jugendlichen am Thema auf den Prüfstand. Im Rahmen des Internationalen Dokumentarfilmfestivals München 2017 lud DOK.education Schulklassen der 8. bis 12. Klassenstufe zur interaktiven Veranstaltung #uploading_holocaust an die Hochschule für Fernsehen und Film München ein.

Begrüßt wurden die Gäste von Maya Reichert, Leitung der Kinder- & Jugendsektion beim DOK.fest München und von Geog Thurtschenthaler, dem Produzenten des interaktiven Webprojektes. Im großen Kinosaal der Filmhochschule sahen die Schulklassen zur Einstimmung YouTube-Videos, in denen israelische SchülerInnen ihre Eindrücke von ihrem Besuch von KZ-Gedenkstätten dokumentieren.

Diese Ausschnitte aus dem Film UPLOADING_HOLOCAUST und eine sich anschliessende interaktive, anonymisierte Umfrage unter den Anwesenden, an der die SchülerInnen mit ihrem eigenen Smartphone live vor Ort teilnahmen, bildeten die Grundlage zu einer gemeinsamen Diskussion darüber, wie eine zeitgemäße Erinnerungskultur aussehen kann.

Zu Beginn bekam jeder Teilnehmer einen persönlichen Teilnahme-Code. Der Moderator fordert alle Teilnehmer auf, sich mit dem Smartphone mit dem WLAN zu verbinden, auf die Startseite des Projekts zu gehen und den Code dort einzugeben. Dadurch wird eine neue Gruppe für die Veranstaltung erstellt. Die TeilnehmerInnen im Raum machen live mit und der Moderator hat die Möglichkeit, die Antworten der TeilnehmerInnen im Saal anonymisiert zu betrachten, auszuwerten und auch zu vergleichen mit der Auswertung der für alle offenen Web-Umfrage.
Wie viel Prozent der Teilnehmer im Saal interessieren sich gar nicht fürs Thema? Wie viele reden nie mit ihrer Familie darüber, ob Angehörige in der NS-Zeit Verbrechen begangen haben? Der Fragebogen ist in sechs thematische Blöcke gegliedert. Zwischen den Blöcken ziehen kurze Youtube-Clips der israelischen SchülerInnen die ZuschauerInnen wieder in den Bann und motivieren weiteres Auseinandersetzen mit dem interaktiven Fragemodul.
Wir werteten die Ergebnisse der Live-Smartphone-Umfrage innerhalb der 90-minütigen Veranstaltung unter der Anleitung der  Medienpädagogin Nadja Grinzewitsch mit Schwerpunkt Geschichtsvermittlung gemeinsam aus. Der YouTuber Jakob Gentsch aka JKB, der selbst ein Video zu seiner Klassenfahrt nach Auschwitz gemacht hat, begleitete die Veranstaltung und sprach die Jugendlichen auf Augenhöhe an. Er traute sich auch nicht regelkonforme Antworten auf heikle Fragen zu geben, was den Gesprächsfluss anregte.

Am Ende der Veranstaltung stellten wir das Online-Kommunikationsportal vor, in dem die Jugendlichen beider Länder – Deutschland und Israel – sich direkt vernetzen können und sich über digitale Kanäle (Video und Text) gegenseitig Fragen beantworten. Dieser Bereich ist auch für andere Jugendliche öffentlich einsehbar – wer also zuhause oder seinen Freunden von unserer Veranstaltung berichten möchte, wird über die Veranstaltung hinaus Anschauungsmaterial haben.

Theorie zum Projekt

Der direkte Einbezug der SchülerInnen erfolgte also auf verschiedenen medialen Ebenen, die sich an der alltäglichen Mediennutzung der SchülerInnen orientieren und diese damit gezielt ansprechen. Mit der ins Projek integrierten Live-Umfrage wird eine zeitgenössische Form des transmedialen Erzählens umgesetzt, die invasiv in die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen eindringt und die Grenzen zwischen Lernen und Leben verwischt.

Der Bezug zum Lehrplan bayerischer Schulen der Jahrgangsstufen 8 bis 12 lässt sich in folgenden Schlagworten festhalten: Aktuelle Auswirkungen historischer Prozesse verstehen, angemessene Wahrnehmung von Manifestationen der Geschichtskultur in Politik und Öffentlichkeit, Einsicht in die identitätsstiftende Funktion von Geschichte, Bereitschaft zum persönlichen Engagement für die freiheitlich-demokratische Wertordnung, Bewusstsein von der Gefährdung der Demokratie durch extremistische Kräfte, Analyse und Reflexion filmischer Darstellungen, Umgang mit Informationen aus dem Internet, kritische Mediennutzung

 

 

Nachhaltigkeit des Projektes

Um zusätzlich zu dem Besuch der Veranstaltung eine Nachhaltigkeit zu gewährleisten, wurden folgende Massnahmen bekannt gemacht:

Der lange Dokumentarfilm UPLOADING_HOLOCAUST ist in der Mediathek zur Nacharbeit für Schulklassen und Interessierte verfügbar.
Das crossmediale Projekt hat auf der Webseite einen Bildungsbereich mit detaillierter Anleitung um Projektelemente auch im Klassenzimmer auszuführen. Das Webprojekt #uploading_holocaust ist auch für den Einsatz in Gruppen, z.B. Schulklassen oder Workshops, optimiert.

  • Nutzungsdauer: Ca. 25 Minuten
  • Umfang: 6 Kapitel, 9 Videos mit einer Länge von 0:20-2:30, 23-32 Fragen
  • Technische Voraussetzungen: Stabiles Internet, aktueller Browser, Kopfhörer oder Lautsprecher
  • Unterstützte Geräte: Desktop-Rechner, Laptops, Tablets, Smartphones
  • Kosten: Keine

Hier finden Sie eine Kurzanleitung, wie Sie das Projekt in fünf einfachen Schritten für Bildungszwecke nutzen können. Umfangreiches schulisches Begleitmaterial, erarbeitet von Medienpädagogen mit Schwerpunkt Geschichtsvermittlung, steht zum Download & Ausdrucken bereit.
Der OnlineKommunikationsbereich bleibt online und steht allen Jugendlichen zum weiteren Austausch bereit.

Alles in allem ein gelungenes und sehr spannendes Projekt, das wir Lehrkräften sehr ans Herz legen.
Rückfragen beantworten wir gerne unter reichert@dokfest-muenchen.de. Alle Informationen zur Veranstaltung findet man auch hier: www.dokfest-muenchen.de/Uploading_holocaust

***