Fotografische Begegnungen junger geflüchteter Menschen

Fotografische Begegnungen junger geflüchteter Menschen

Im Rahmen des Projekts nahm eine Mittelstufenklasse der SchlaU-Schule (Schulanaloger Unterricht für junge Flüchtlinge) im Mai 2016 im Klassenverband von 17 SchülerInnen an einem dreitägigen Fotoprojekt teil.

Projektverlauf:

Das von den SchülerInnen selbstgewählte Motto des Projektes war „Fotografische Begegnungen junger geflüchteter Menschen“. Dieses Thema wurde bewusst sehr offen gewählt, um den Jugendlichen möglichst großen kreativen Spielraum zu ermöglichen. Bei der Konzeptausarbeitung, die im Vorfeld stattfand, erarbeitete die Klasse ein Thema, das sie „seltsam – anders – komisch – vertraut“ nannten. Im Laufe des Projekts wollten die Jugendlichen
herausarbeiten, was sie jeweils als seltsam, anders, komisch oder aber auch als vertraut in Deutschland wahrnehmen.

Anschließend plante die Klasse in Kleingruppen, wer welche Aufgaben übernehmen sollte. So war eine Gruppe für den Kauf der Verpflegung für die dreitägige Projektdauer und eine andere Gruppe für die Anschaffung der benötigten Requisiten verantwortlich. Am ersten Tag erhielten die SchülerInnen eine Einführung in den Gebrauch von Spiegelreflexkameras, Hilfe bei der Durchführung von Kameraarbeiten und einen Einblick in die
Arbeit der Fotografen. Nach der Einführung in das neue Medium durften die Schüler in vier Kleingruppen erste Versuche in der Fotografie starten. Hierbei waren sie völlig frei und durften selbstständig ihre Motive wählen. Die meisten SchülerInnen fotografierten sich zunächst gegenseitig.

Am folgenden Tag sahen die Teamer mit den Jugendlichen die Fotos durch und gaben Tipps und Anregungen. Danach waren die SchülerInnen erneut zwei Stunden eigenständig unterwegs und fotografierten selbstgewählte Motive. Der Tag wurde mit einem gemeinsamen
Besuch im Fünf Kontinente Museum abgeschlossen. Die Jugendlichen bekamen die Möglichkeit,
während des Wochenendes eine Kamera auszuleihen und weiter zu fotografieren.

Am Montag, dem dritten und letzten Tag, sichteten die Teamer das Material in Kleingruppen und stellten Bezug zum Ausgangsthema her. Die SchülerInnen fertigten anschließend in Gruppen oder alleine ihre Plakate an.
Projektziele: Hauptziel des Projektes war, wie auch im Titel enthalten, „die Begegnung“. Die SchülerInnen begegneten nahezu alle zum ersten Mal professioneller Fotografie. Die Jugendlichen hatten die Möglichkeit von der Arbeit mit professionellen Fotografen und Technik zu profitieren, was ihnen aufgrund beschränkter finanzieller Mittel im Alltag verwehrt bleibt. Menschen aus anderen Ländern ist eine problemlose Kommunikation aufgrund von Sprachbarrieren oft nur bedingt möglich. Daher war ein weiteres Ziel, ihnen ein Medium zur nonverbalen Kommunikation zu geben, bei der das individuelle Sprachniveau keine Rolle spielte. Den jungen Flüchtlingen wird eine Ausdrucksmöglichkeit und eine Möglichkeit zur Partizipation an der Gesellschaft gegeben, indem sie ihre Ergebnisse an verschiedenen Ausstellungsorten zeigen können. Gerade diese Zielgruppe muss häufig gegen Vorurteile verschiedenster Art ankämpfen. Bei diesem Projekt müssen sie sich nicht rechtfertigen oder erklären, sie können ihre Gefühle und Gedanken zum Thema auf nonverbale Art und Weise ausdrücken.

Beteiligte:

Zielgruppe war eine Mittelstufenklasse der SchlaU-Schule bestehend aus 15 Schülern und zwei Schülerinnen unterschiedlicher Herkunftsländer und Kulturkreise. Die Jugendlichen waren zwischen 17 und 23 Jahren alt und hatten alle ein Sprachniveau zwischen A2 und B1.

Bedarfe (Raum, Zeit und Technik):

Das Projekt fand unter Anleitung von drei Teamern (2 Fotografen und ein oder zwei LehrerInnen der SchlaU-Schule) in angemieteten Räumen des Medienzentrums und in der freien Natur statt. Zu Fotographie wurden geliehene Spiegelreflexkameras eingesetzt.

Produkte und Veröffentlichung:

Das Fotoprojekt war eng an den Deutschunterricht angebunden, daher sollten die Schüler nach Ende des Projekts sowohl mündlich als auch schriftlich reflektieren und ihre Ergebnisse gemeinsam diskutieren. Die Projektergebnisse sowie ein Bericht wurden in der Schülerzeitung der SchlaU-Schule veröffentlicht. Außerdem stellte die Klasse die Plakate auf dem letztjährigen Sommerfest der Schule aus.

Review:

Die Ausführung des Projekts kann als sehr gelungen eingeschätzt werden, da die SchülerInnen an den drei Tagen sehr motiviert und freudig bei der Arbeit waren und im Nachhinein sehr positiv reflektierten und auf ihre Endergebnisse sehr stolz waren. Der Umgang mit der zunächst unbekannten Technik insbesondere mit den Spiegelreflexkameras funktionierte reibungslos. Schwierig war, den Schülern große Freiheit bei der Umsetzung zu lassen, sie aber immer wieder an das eigentliche Thema zu erinnern und einen Bezug zu diesem herstellen zu lassen.
Das Projekt hilft den SchülerInnen aus der Sprachlich barrierefreien Fotographie, in Zusammenhang mit anschließenden schriftlichen und mündlichen Diskussionen, einen Bezug zur deutschen Sprache aufzubauen und Selbstbewusstsein zu steigern.

Bericht: Judith Kratzl, Klasslehrerin